Zementwerk Siegfried - Elfie Haupt

Elfie Haupt
Elfie Haupt
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Elfie Haupt
Buchautorin:
Soldat Willi Haupt
ein Einbecker Junge

Zementwerk Siegfried

Über mich > Vogelbeck
        (Fotos: Archiv Elfie Haupt)
Erinnerungen an das  Zementwerk "Siegfried" in Vogelbeck

In Vogelbeck gab es über viele Jahrzehnte ein großes Zementwerk mit Namen     
    
"Siegfried".
    

Die meisten Männer aus dem Dorf hatten dort über viele Jahre einen sicheren Arbeitsplatz.
Auch mein Vater arbeitete bis zur endgültigen Schließung Ende April 1975 als Gärtner und Greiferfahrer auf unserem Werk.


Das Werk, der dampfende Schornstein und der Steinbruch gehörten ebenso zu unserem Dorf, wie die St. Georgi-Kirche und die bildschöne Landschaft, von der Vogelbeck umgeben ist.
An die Geräusche des Werkes und an den dampfenden Schornstein war man gewöhnt, niemand störte sich daran.
Im Gegenteil, blieb der Dampf einmal aus, so stimmte was nicht. Entweder war Reparaturzeit im Winter, oder es gab eine Störung, was eher selten vorkam.
Allerdings waren die Dächer unserer Häuser durch das Werk weißer als anderswo...

Durch den Vater waren wir Kinder bestens über die Zementherstellung informiert und durften uns direkt vor Ort ein Bild darüber machen.
Aus heutiger Sicht wäre es undenkbar, dass Kinder den Arbeitsplatz des Vaters in einem solchen Werk besuchen dürften.
Wir hingegen kannten Kesselhaus, Brennerstand, die großen Drehöfen, die im Winter herrliche Wärme spendeten, wenn wir vom Schulbus nach Hause gleich übers Werk gingen und uns der Weg daran vorbei führte.
An der Klinkerhalle angekommen, bewunderten wir weit oben unseren Vater, der mit dem großen Greifer durch die Halle fuhr und seine Arbeit tat.
Manchmal hupte er ein Signal und wir wussten, dass er uns gesehen hatte.
Wie waren wir begeistert, als wir auf dem Brennerstand durch ein abgedunkeltes Glas in den Drehofen mit dem glühenden Klinker schauen durften!

Die sich mit ohrenbetäubendem Lärm drehenden Zementmühlen waren eine Attraktion für sich. Über das Tempo der Mühlen staunten wir, ebenso über den Zementmüller, der keinen Ohrenschutz trug. Schutzmaßnahmen dieser Art gab es damals noch nicht.

Auf unserem Werk gab es ein Magazin, ein Labor, die Schlosserei, die großen Silos, das Bürohaus, die Packerei, eine Gärtnerei und die Kantine mit einer Kegelbahn, die Waschräume für die Arbeiter, die Waage und natürlich den Schornstein, der eine beachtliche Höhe von knapp achtzig Metern hatte.
Ab und zu kamen Schornsteinbauer, um Ausbesserungen vorzunehmen, was immer ein besonderes Ereignis war. In schwindelerregender Höhe verrichteten sie auf einer winzigen Plattform rund um den Schornstein ihre Arbeiten.

Am 26. April 1975 schlug die Stunde des Abschieds für unser Werk und seine große Belegschaft.
Es wurde für immer geschlossen und nach und nach verschwand alles, was an die Zementfabrikation in Vogelbeck erinnerte.

    
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