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Elfie Haupt

Gastbeitrag

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Ein Fisch ist tot

Die beiden kamen auf den Gedanken des Telefonstreichs. Telefonstreiche waren vor sechzig Jahren beliebt und auch leichter möglich als heute. Man brauchte nicht von einem der noch seltenen heimischen Apparate aus anzurufen und anonyme Telefonzellen standen für nur einen Groschen per Ortsgespräch überall zur Verfügung.


Sie riefen mit verstellter Stimme aus einer weniger frequentierten Zelle den Anschluss ihres ehemaligen Lehrers an, der als Biologe auch für die Bio-Sammlung der Schule zuständig war: „Guten Tag, hier ist der Hausmeister der Mittelschule.“ Am anderen Ende antwortete der Vater des Lehrers, denn sein Sohn war gerade nicht zu Hause: „Ja, wie kann ich Ihnen helfen?“  -  „Ich wollte nur Bescheid geben, wir haben einen Aquariums-Schaden in der Biologie. Könnte Ihr Herr Sohn mal vorbei kommen? Ein Fisch ist schon tot.“  -  „Ja, um Himmels Willen! Ich werde ihn bitten, in der Schule vorbei zu sehen, sobald er nach Hause kommt!“


Nicht lange danach kam der Lehrer tatsächlich bei der Mittelschule vorgefahren und begab sich eiligst in die Biologie-Vorbereitung. „Nanu,“ mag er sich gedacht haben, „das Aquarium ist ja in Ordnung und alle Fische schwimmen putzmunter im Wasser herum!“

Die beiden Freunde konnten mit ihrem gelungenen Streich bei ehemaligen Mitschülern nicht hinter dem Berg halten so kamen die Täternamen auch der Lehrerschaft zu Ohren. Der Rektor kontaktierte die Eltern der beiden Täter und verlangte eine schriftliche Entschuldigung, die die Mütter auch arglos ausstellten. Das Erstaunen war aber groß, als die Staatsanwaltschaft die beiden Jungen einbestellte. Die Schule hatte sie auf der Grundlage der elterlichen Entschuldigungen wegen ‚Amtsanmaßung‘ angezeigt.


Der Staatsanwalt redete ihnen dann zwar ins Gewissen, aber eine Strafe gab es nicht. Ein Hausmeister ist schließlich keine Amtsperson und die „Amtsanmaßung“ war somit hinfällig.



© Peter Perrey


Es ist nun schon sechzig Jahre her, dass zwei Freunde gerade die Mittelschule erfolgreich beendet hatten. Sie hatten beide dieselbe Klasse besucht und auch nach Schulschluss gingen sie schon seit Jahren gemeinsamen Interessen nach. Nun wollten sie ihrem ehemaligen Biologie- und Klassenlehrer zum Abschied noch einen Streich spielen  -  einen harmlosen Streich versteht sich, denn es sollte ja kein Schaden entstehen.


So heckten sie also zusammen aus, was man da wohl machen könnte. Nach Möglichkeit sollte es etwas sein, was sie auch direkt beobachten und an dem sie sich spottend erfreuen konnten. Schließlich beschlossen sie, ihren ehemaligen Lehrer am Wochenende unter einem Vorwand in die Schule zu lotsen. Seine Anfahrt mit dem Auto würde in der Tat beobachtbar sein. Doch wie wollte man das umsetzen?