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Elfie Haupt

Gastbeitrag

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Learning by doing

Kinder schauen sich gerne etwas ab und nehmen sich  -  besonders in den Anfangsjahren, wenn sie noch kleine Pökse sind  -  die Erwachsenen zum Vorbild. Auch das ist nicht immer absolut zu sehen, denn die Kleinen legen den Maßstab, der an sie gelegt wird und den sie verinnerlicht haben, natürlich auch an die Erwachsenen an, wie wir noch sehen werden.


Als der Opa im letzten Frühjahr seines Lebens wieder mit der Gartenarbeit begann, brauchte er nicht nur Harke und Spaten sondern auch seine Schubkarre. Der kleine wusste, dass er selbst mit dem Spaten noch nichts anfangen konnte; er war für einen Zweijährigen einfach zu groß, aber er versuchte sich zumindest schon mal an der Harke, wenngleich mit wenig Erfolg. Statt des Spatens hatte ihm die Mutter einen alten Esslöffel gegeben, den der Kleine munter in die Gartenkrume stieß.

Das Ziel der Begierde war aber die eiserne Schubkarre, mit der der Opa so leicht umging und die so schön rollte. „Das will ich aber auch mal versuchen“, dachte sich der kleine Gärtner und fasste die Schubkarre an den Griffen, um sie zu bewegen. Das wurde aber nichts: Die Karre fiel auf die Seite und der Kleine schlug sich an ihr die Lippe auf. Natürlich wurde ihm danach verboten, die Schubkarre irgendwie zu bewegen. Was aber nicht viel fruchtete. In einem unbeobachteten Augenblick machte er sich erneut ans Werk und trachtete eine leicht abschüssige Stelle im Gartenweg zu nutzen  -  dann würde die Karre schon ins Rollen kommen. Das tat sie dann auch. Leider fiel sie aber wieder um und da sie im Fallen den Kleinen mitgezogen hatte und er auf die Kante fiel, hatte er sich erneut die Lippe aufgeschlagen.


Interessant war auch das Telefon. Die Erwachsenen konnten sich damit so wunderbar über weite Entfernungen hinweg unterhalten. Die eigene Telefonnummer hatte der Kleine oft gehört: 3981. Sie ist bis heute unvergessen. Auch dass man sich erst vom „Fräulein vom Amt“ verbinden lassen musste, war dem Kleinen schon bekannt. Das Telefon stand im Flur auf einem Schränkchen und daneben stand ein Stuhl. Also einen Augenblick abgewartet, als Mutter und Oma nicht in der Nähe waren, auf den Stuhl geklettert und den Telefonhörer abgehoben, die Wählscheibe gedreht und da meldete sich auch schon das Amt: „Mit wem darf ich Sie verbinden?“ „Ich will meine Tante Anna sprechen!“ Ja wie heißt denn Deine Tante?“ „Tante Anna  -  das hab ich schon gesagt!“ „Weißt Du denn die Telefonnummer?“ „Weiß ich nicht!“ „Dann kann ich Dich nicht verbinden.“ „Ich will aber meine Tante Anna sprechen, alte Ziege!“ „Dann leg mal auf!“ Und das Fräulein vom Amt rief die Mutter an, die sich für ihren Sohn entschuldigte. Es folgte ein gehöriges Donnerwetter!


Aber der Kleine konnte den Spieß auch mal umdrehen. „Bub und Spinne gingen in den Wald“. Das Lied kannte er auswendig. Als die Mutter es einmal verfälschte und „Pup und Spinne“ sang, da geriet er seinerseits in Rage! So konnte das nicht stehen bleiben! „Das heißt „Bub und Spinne“ und nicht „Pup und Spinne“! Die Mutter lächelte still vor sich hin: Siehste, er kann schon mit zwei Jahren zwischen B und P unterscheiden! Manche können es heute noch nicht einmal, wenn sie in die Schule kommen...