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Elfie Haupt

Gastbeitrag

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November

Wenn der goldene Herbst vorüber ist, unsere Bäume wieder das kahle Geäst zeigen und die Tage kürzer und grauer werden, dann erinnern wir uns wieder des Vergangenen und mit ihm auch all jener, die die Welt vor uns gestaltet haben und nun nicht mehr unter uns weilen.

Es sind dies nicht nur diejenigen, denen wir persönlich nahe gestanden haben. Unsere Verwandten und Freunde, die ihren Lebensweg bereits erfüllt haben. An sie denken wir  besonders schmerzlich, wenn der Abschied vielleicht noch nicht allzu lange zurück liegt.

Aber wir gedenken in diesem Monat auch all der anderen, die unserem Leben in einem weiteren Sinn Grundlage und Inhalt gegeben haben und die damit in unser Dasein eingebettet waren. Es sind dies nicht nur die Menschen, die wir persönlich kannten sondern auch alle darüber hinaus, die unsere Tage mitbestimmt haben.

Kirchen und andere religiöse Gemeinschaften haben aus diesem Anlass Gedenktage eingerichtet, Allerseelen und Totensonntag beispielsweise. Als Nation erinnern wir uns am Volkstrauertag an unsere Gefallenen beider Weltkriege und an die durch Gewaltherrschaft, Flucht und Vertreibung Umgekommenen.

Jede Nation hat solche Gedenktage, die all denjenigen gewidmet sind, die ihr Leben für ihr Land lassen mussten oder als an Kampfhandlungen Unbeteiligte umgekommen sind. Man gedenkt ihrer nicht immer im November. Häufig ist die nationale Erinnerung mit Tagen verbunden, die in der Geschichte des jeweiligen Landes von besonderer Bedeutung sind.

Auch wenn es deshalb scheint, dass das Gedenken nur den eigenen Opfern gilt, so haben sich die nationalen Gedenktage im Bewusstsein der meisten Völker inzwischen doch gewandelt. Man denkt nicht nur an das Leid der eigenen Opfer. Man erkennt auch den Opfergang und die Trauer des ehemaligen Gegners. Hass und Feindschaft werden so überwunden. Die Notwendigkeit des Friedenhaltens wird deutlich.

Die beigegebenen Bilder zeigen die deutsche Kriegsgräberstätte im heutigen Baltijsk, in den Dünen von Pillau, der letzten ostdeutschen Stadt, die 1945 von sowjetischen Truppen nach schweren, verlustreichen Kämpfen erobert wurde. Auch dort wird am 22. Juni eines jeden Jahres am russischen Ehrenmal in der nun verschwundenen ehemaligen Stadtmitte das russische Gedenken an die Kriegsopfer begangen, werden die traditionellen roten Nelken niedergelegt.

Ist es nicht berührend zu sehen, wie ein ehemaliger russischer Matrose, der an der Eroberung Pillaus beteiligt war, sich nach der Teilnahme an der eigenen Gedenkfeier auf den beschwerlichen Weg zur deutschen Kriegsgräberstätte macht, um auch dort eine rote Nelke niederzulegen?  


Bilder und Text © by P.P.